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Geschrieben von Wolfgang Tober   
Donnerstag, 29. März 2007

gefunden im HANDELSBLATT, Sonntag, 25. März 2007, 08:56 Uhr

Die fünf Weisen

Wissenshorter sind Mobber

Von Utz Claassen

Neben der Qualität und Kompetenz der Belegschaft und des Managements ist für den Unternehmenserfolg entscheidend, wie die Menschen im Unternehmen miteinander umgehen, kommunizieren und kooperieren


Utz Claassen ist Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW. Foto: apBild vergrößernUtz Claassen ist Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW. Foto: ap

Viel Wissen und wenig Kommunikation führen zur Macht Einzelner, derer nämlich, die dieses Wissen haben und horten. Erst viel Wissen und viel Kommunikation führen zu Kompetenz im Sinne des Unternehmens. Voraussetzung für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg ist ein großer und ständig erweiterter Kompetenzpool. Dazu ist es erforderlich, Wissen zielorientiert im gesamten Unternehmen in horizontaler und vertikaler Richtung zu verbreiten und zu entwickeln.

Das Management dieser Kompetenz ist ein zentraler Baustein im Rahmen aller Managementaufgaben: Die Fähigkeit, vernetztes Wissen problemlösend anzuwenden, ist entscheidend dafür, dass sich ein Unternehmen trotz komplexer Rahmenbedingungen kontinuierlich verbessern kann. In einer immer schnelleren, immer anspruchsvolleren, immer komplizierteren und immer vernetzteren Welt müssen wir das Management dieser Komplexität als unternehmerische Kernaufgabe erkennen. Diese Aufgabe zu erfüllen bedarf einer wirklichen Informations- und Kommunikationskultur.

Am schwierigsten ist die auf die Teilung und Weitergabe von Wissen, auf Motivation und Partizipation ausgerichtete Unternehmenskultur. Talente können sich nur dort entfalten, Abläufe nur dort funktionieren, wo die Unternehmenskultur – das Klima, die Herausforderung und die Wertschätzung – die Rahmenbedingungen schafft. Informationen müssen fließen – horizontal, vertikal und diagonal. Dafür sind Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit Voraussetzung. Dazu muss ein partnerschaftliches Klima am Arbeitsplatz gefordert werden. Sämtliche Informationen, die ein anderer zur umfassenden und selbstständigen Bearbeitung seiner Aufgaben benötigt – auch Informationen zum Verständnis der Unternehmensziele und -zusammenhänge –, sollten vollständig weitergegeben werden. Gerade in schwierigen Situationen muss mehr, nicht weniger kommuniziert werden.

Die Einführung von Wissensmanagement und die Entwicklung einer Wissenskultur im Unternehmen muss Chefsache sein. Die Person an der Spitze muss glaubwürdig die Ziele und Werte einer Unternehmensphilosophie und -kultur tragen, vermitteln und verkörpern. Gleichzeitig ist Wissensmanagement aber eine Aufgabe der gesamten Organisation. Gelebtes Wissensmanagement muss Teil der Arbeit jedes Einzelnen werden, und jedes Belegschaftsmitglied muss Teil der Wissensorganisation sein.

Ein Wissensmanagementsystem einzuführen ist außerordentlich komplex und anspruchsvoll – für alle im Unternehmen. Beim Sartorius-Konzern haben wir damals die Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens durch eine Betriebsvereinbarung unterstrichen, die auf Informationsweitergabe ohne Behinderungen zielte und für Verstöße dagegen sogar Sanktionen in Form von Informations- oder Disziplinargesprächen bis hin zu Abmahnungen oder Kündigungen vorsah. Die Behinderung von Wissensweitergabe und Wissenszugang ist eine Form von Mobbing, und Mobbing kann nicht akzeptabel sein.

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 29. März 2007 )
 

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