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Geschrieben von Wolfgang Tober   
Montag, 23. Oktober 2006

Alarmierende Ergebnisse

Zu viel Wissen geht in den Ruhestand

Karlsruhe - Im Umgang mit dem demografischen Wandel handeln viele Manager in Deutschland widersprüchlich, so das Ergebnis einer Studie, die von der Karlsruher Learntec, der führenden Kongressmesse für Bildungs- und Informationstechnologie im deutschsprachigen Raum, in Auftrag gegeben wurde.

Jede Verrentung koste deutsche Unternehmen zirka ein Drittel des Wissens, das der Mitarbeiter in seinem Arbeitsleben gesammelt habe, bilanziert der Learntec Monitor "Ageing Workforce", der jüngst in Frankfurt veröffentlicht wurde. Die repräsentative Befragung von 157 Bildungsverantwortlichen untersucht Konsequenzen des demografischen Wandels für das Bildungs- und Wissensmanagement deutscher Unternehmen. Dramatisch werde die Abwanderung von Know-how in den Ruhestand, wenn sich in den überalterten Belegschaften der Zukunft große Alterskohorten gleichzeitig verabschiedeten. Denn schon in wenigen Jahren, so die Learntec, würden die über 50-Jährigen in vielen Unternehmen die Mehrheit der Belegschaft stellen. Der deutschen Wirtschaft drohe ein Wissensverlust in bisher ungekanntem Ausmaß.


 

Große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Neue Konzepte, dem entgegenzuwirken, seien bislang Mangelware, heißt es weiter. Nur zirka sechs Prozent der befragten Unternehmen würden auf Wikis und zehn Prozent auf Weblogs setzen, um informelles Wissen zu bewahren. Immerhin 46 Prozent nutzen laut der Studie digitale Datenbanken, und 23 Prozent der Unternehmen planen, in Zukunft verstärkt Wissensmanagement-Technologien einzusetzen, um die Lernfähigkeit ihrer Organisation zu erhöhen.

Lernfähigkeit sei für 87 Prozent der befragten Entscheider ein strategisches Ziel von hoher oder sehr hoher Bedeutung. Allerdings, so das Fazit des Learntec Monitors "Ageing Workforce", klaffen Anspruch und Wirklichkeit noch weit auseinander: Durchschnittlich nähmen in den Unternehmen weniger als die Hälfte der beteiligten Mitarbeiter, etwa 46 Prozent, an systematischer Weiterbildung teil. Ältere seien besonders häufig davon ausgeschlossen: 40 Prozent der Unternehmen schulen weniger als 20 Prozent ihrer über 50-jährigen Mitarbeiter.

"Der demografische Wandel wird Unternehmen zwingen, effizienter mit ihrem Wissen umzugehen und ältere Mitarbeiter aktiver in den unternehmensinternen Wissensaustausch einzubinden", resümiert Professor Uwe Beck, wissenschaftlicher Leiter der Learntec. "An digitalen Technologien führt dabei kein Weg vorbei. Altersgerechte Inhalte und Systeme für Wissensmanagement und E-Learning sind eine Marktlücke mit großem Potenzial." Der Learntec Monitor "Ageing Workforce" ist der erste Teil einer breiter angelegten Studie, die auf der nächsten Learntec im Februar kommenden Jahres in Karlsruhe vorgestellt werden soll.


Letzte Aktualisierung ( Samstag, 13. Januar 2007 )
 

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